Fragen Sie einen Tierarzt: Warum leckt mein Hund alles ab?

Tut Ihr Hund ungewöhnliche Dinge? Sich wiederholende Gewohnheiten, die scheinbar keinen Zweck haben? Menschen fragen mich, warum ihre Hunde viele Dinge tun. Für viele davon gibt es eine Erklärung, die ich den Besitzern erläutern kann, doch einige Punkte sind wirklich nicht so einfach. Ich erhalte viele Anfragen in meinem Posteingang, in den sozialen Medien und von meinen Kunden zu dieser Art von Verhalten und jeder Fall ist spezifisch und kompliziert.

Einige der Verhaltensweisen, zu denen ich Anfragen erhalten habe, sind das Flankensaugen bei Dobermann-Pinschern (der Hund saugt buchstäblich wiederholt an seiner eigenen Flanke), Fliegenangriffe bei Labradorhunden (wahlloses Angreifen auf imaginäre fliegende Schädlinge) sowie Akrenleckgranulome (gewohnheitsmäßiges Belecken einer Stelle, bis die Haut geschwürig ist) bei vielen Rassen. Meine neueste Untersuchung betrifft einen Terrier, der die Füße seines Besitzers so sehr ableckt, dass er Socken anziehen muss, um das zu vermeiden.

Die Bedeutung von stereotypem Verhalten ist die konsequente Wiederholung von Handlungen, die keine offensichtliche Funktion haben. Für mich ist das Verhalten nicht wirklich ungewöhnlich, es sei denn, es unterbricht die Fähigkeit des Tieres, andere typische tägliche Aufgaben zu erledigen, oder ist so unerbittlich, dass es den Besitzer frustriert und die Bindung zwischen Mensch und Tier unterbricht. In diesen Situationen ist es viel wichtiger, dass wir versuchen, dem Verhalten auf den Grund zu gehen und es zu verringern, und selbst wenn das Ziel nicht erkennbar ist, heißt das nicht, dass es nicht vorhanden ist.

Bei Menschen werden Zwänge als Handlungen angesehen, die dazu dienen, Stress abzubauen, und werden oft als Zwangsstörung bezeichnet.(2) Einige Verhaltensforscher in der Tiermedizin sind der Meinung, dass Haustiere die für die Faszination erforderlichen Denkprozesse nicht beherrschen, und bezeichnen das Problem bei Haustieren einfach als Zwangsstörung (CD). Echte Compulsive Disorder bei Tierpatienten müssen in Abwesenheit eines zugrundeliegenden klinischen Problems auftreten, so dass es verschiedene Lager darüber gibt, wie man diese Art von Gewohnheiten abklären und auch behandeln kann. Die Möglichkeit, ein stereotypes Verhalten mit Angstmedikamenten zu überdecken, wenn möglicherweise ein verborgenes klinisches Problem vorliegt, lässt viele Menschen innehalten, und auch unsere Fähigkeit, das psychologische Wohlbefinden von Tieren wirklich zu analysieren, ist eingeschränkt.

Grundlegender medizinischer Zustand

Bereits 1998 sprachen Wissenschaftler darüber, dass wiederkehrendes Leckverhalten (an sich selbst oder an anderen/Objekten) mit anderen medizinischen Problemen in Verbindung zu stehen schien, doch der tatsächliche Zusammenhang zwischen medizinischen und Verhaltensproblemen wurde nicht wirklich untersucht. (3) Auch wenn es vielleicht schwierig ist, genau zu bestimmen, welche klinische Ursache zur Entwicklung der Handlungen beigetragen hat (in diesem Fall im Allgemeinen das ständige Ablecken), ist es wirklich wichtig, die Probleme, die bestimmt werden können, auszuschließen oder zu lösen. Die Ursachen für viele dieser zwanghaften Reaktionen könnten aus Hautkrankheiten, Krebserkrankungen oder Beschwerden bestehen, und wenn Ihr Hund versucht, Ihnen etwas davon mitzuteilen, wäre es sicherlich schade, die Kommunikation zu beenden, bevor die Botschaft entdeckt wurde.

Echte Verhaltensstörung

Dobermänner, die die Flankenzeichnungstendenz aufweisen, sind tatsächlich erforscht worden und auch Wissenschaftler hatten die Möglichkeit, tatsächlich architektonische Unterschiede in den Gehirnen der geschädigten Haustiere zu bestimmen. Diese Forschungsstudien deuten darauf hin, dass es sich um ein Schlüsselverhalten handelt (das seinen Ursprung im Gehirn selbst hat und nicht ein Hinweis auf ein anderes Problem ist). Es wird davon ausgegangen, dass diese Art der Besorgnis nicht durch eine systemische Krankheit verursacht wird und mit psychotropen Medikamenten behandelt werden müsste. Diese Situationen von Schlüssel-CS bei Hunden sehe ich in meiner Praxis nicht ständig. Sie sind meiner Erfahrung nach nicht so häufig wie die Situationen, die durch eine zugrunde liegende systemische Erkrankung hervorgerufen werden, daher ist es wichtig, ein stereotypes Verhalten nicht als "Verhaltensstörung" abzutun, die toleriert und auch nicht entdeckt werden muss.

Aufdringliches Verhalten in dem Bemühen, eine Verbindung herzustellen

Es gab zahlreiche Fälle, in denen Hunde wiederholte Handlungen ausführten, die sich als Versuch erwiesen, etwas über einen geliebten Menschen zu vermitteln. Es gibt immer mehr Beweise dafür, dass Hunde in der Lage sind, Krebszellen durch ihren Geruch zu erkennen, und es wurden sogar schon Hunde zur Überwachung von Menschen mit Anfällen eingesetzt. Der Fall von Maureen und ihrem Hund Max wurde letztes Jahr erstmals auf BBC gezeigt. Max hatte es sich zur Gewohnheit gemacht, Maureen beharrlich am Busen zu schnüffeln. Nach ihrer Erzählung wurde bei einer Mammographie die Wunde nicht entdeckt, aber Max war so entschlossen, dass sie irgendwann verweilte und eine Biopsie machte, bei der ihr Krebs entdeckt wurde. Nach dem chirurgischen Eingriff und der Therapie zeigte sich Max zufrieden. Eine meiner Kundinnen berichtet, dass ihre Englische Bulldogge zu wissen scheint, wann ihr anderer Hund, ein epileptischer Chihuahua, einen Anfall hat und sie benachrichtigt. Sie brauchten ein paar Mal, um zu erkennen, was er ihnen mitzuteilen versuchte, aber jetzt hat sich das Muster tatsächlich als konstant erwiesen, mit einer scharfen Botschaft von ihm, wenn er ein Problem für sein Rudelgeschwisterchen hat.

Wenn Ihr Hund Anzeichen von unkontrollierbarem Verhalten zeigt, stellen Sie sicher, dass er nicht versucht, Ihnen etwas zu sagen. Ihre Botschaft könnte sich auf ihre eigene Gesundheit und ihr Wohlbefinden beziehen ... und sogar auf Ihre eigene!

  1. Repetitive Verhaltensweisen bei Katzen und anderen Haustieren: Sind sie tatsächlich ein Anzeichen für Zwangsstörungen (OCD)? Canadian Veterinary Journal; 2013 Feb; 54( 2 ):129 -31.
  2. Diagnosestandards von DMS-IV-TR Zwanghafte Störungen. The American Psychiatric Association; 2000. pp. 217-- 218.
  3. Hewson CJ, Luescher UA, Ball RO. Gauging adjustment in the behavioural extent of canine uncontrollable disorder: The construct credibility of categories of modification stemmed from 2 ranking scales. Appl Anim Behav Sci. 1998; 60:55-- 68.
  4. Hirnarchitektonische Anomalien bei Dobermannpinschern mit unkontrollierbarer Störung des Hundes. Prog Neuropsychopharmacol Biol Psychiatry. 2013 Aug 1; 45:1 -6. doi: 10.1016/ j.pnpbp.2013.04.002. Epub 2013 Apr 13. Ogata et al.
  5. Kaninische Geruchserkennung eines tödlichen Melanoms. BMJ Case Rep. 2013 Oct 14; 2013. pii: bcr2013008566. doi: 10.1136/ bcr-2013-008566.
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Gotthold Weinert
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